Saldanha bis Recife
- Sarah Zemp

- Nov 30, 2025
- 4 min read
Am 23. Mai 2025 haben wir Saldanha Bay verlassen. Es wurde merklich kühler, und die Winterstürme kündigten sich an – höchste Zeit also, die Segel zu setzen und weiterzuziehen. Die ersten zwei Tage genossen wir noch sonniges Wetter, dann aber zog dichter Nebel auf, der uns tagelang begleitete. Sichtweite? Kaum mehr als ein paar Meter vor dem Bug. Und das Thermometer sank nachts auf 13 Grad. Zusammen mit dem Nebel fühlte es sich manchmal fast unerträglich an. Die Nächte dehnten sich endlos, und auch tagsüber konnte man sich nur schwer aufwärmen. Alle warmen Kleider wurden ausgepackt, und wir stapelten uns im klassischen Zwiebellook.
Immerhin gab es kleine Lichtblicke: Unterwegs haben wir einen Tuna gefangen und endlich die Gelegenheit genutzt, frisches Sushi zu machen – eine kulinarische Belohnung im trüben Nebelgrau. Der Nebel blieb uns bis vor Walvis Bay treu, lichtete sich dann aber langsam. Mit ihm kehrten die Freunde zurück: Delfine sprangen neben uns, Seehunde begleiteten unser Boot, und sogar Pinguine trauten sich wieder heran. Ein besonders mutiger Seehund machte es sich sogar auf unserer Peruagus gemütlich – als hätte er nie etwas anderes getan!
In Walvis Bay konnten wir mit Antoinette einen Deal aushandeln, um etwas günstiger an den Steg zu kommen – den haben wir natürlich genutzt. Zu dieser Zeit sind praktisch keine Segler unterwegs, alles wirkte angenehm ruhig. Antoinette begleitete uns beim Einklarieren und lud uns anschliessend sogar auf ein Bier ein – so herzliche Menschen trifft man selten.
Die Tage in Walvis Bay waren sonnig und angenehm warm, doch mit Sonnenuntergang wurde es eisig. Wir verkriechen uns daher früh in unsere Betten, zogen einen zusätzlichen Schlafsack über unsere Alpakadecken und hielten Netflix und Schlaf als Überlebensstrategien bereit, während wir auf die Sonne warteten.
Um ein bisschen Abenteuer an Land zu erleben, haben wir ein Auto gemietet und die beeindruckenden Sanddünen besucht. Die Dünen – endlose, goldene Wellen aus Sand, die in der Sonne glitzern – sind einfach spektakulär. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt, wo Wind und Sand die Landschaft ständig neu formen. Anschliessend fuhren wir nach Swakopmund und genossen die sandige Landschaft, die sich endlos ausdehnt, unterbrochen nur von der rauen Küste und dem Ozean. Die Menschen in Namibia sind wie in Südafrika: herzlich, hilfsbereit und immer für einen Plausch zu haben.
Eine Woche später war das Wetter günstig, um weiter nach St. Helena zu segeln. Auch Nicolas der Seehund kam, um uns zu verabschieden. Auf dieser Überfahrt haben wir quasi die Welt der Längengrade umsegelt – mitten in der Nacht war Thomas an der Reihe auf der Wache, sodass wir das am nächsten Tag gebührend feiern mussten. Am 12. Juni, nach 1288 Seemeilen, erreichten wir die wunderschöne Insel St. Helena.
Wir verbrachten dort eine fantastische Woche. Einer der Höhepunkte war die Besteigung der Jakobsleiter – eine gigantische Treppe mit über 700 Stufen, die direkt ins Herz der Insel führt. Oben angekommen fühlt man sich wie ein Bergsteiger-Gigant, und die Aussicht auf Jamestown und den Hafen entschädigt für jede einzelne Stufe.
Zusätzlich haben wir eine Inseltour mit Aron Tours gemacht. Mit einem 4x4 sind wir über die gesamte Insel gefahren, teils auf sandigen Pisten, teils über steinige Straßen. Wir haben Napoleons Haus besichtigt und Aron erzählte uns viele spannende Geschichten über diese kleine, aber geschichtsträchtige Insel. St. Helena war ein Ort der Ruhe, milder Temperaturen und faszinierenden Landschaften. Unsere dicken Kleider konnten wir endlich wieder verstauen.
Doch die Sehnsucht nach echter Wärme rief uns weiter: Brasilien, wir kommen!
Anker hoch am 19. Juni – und ab ins Abenteuer! Kaum hatten wir die Leinen los, machte der Wind klar: Heute wird nicht gekuschelt. Die Überfahrt war windig, lebhaft und manchmal auch ein bisschen frech, aber zum Glück kein Stück erschöpfend. Unsere Peruagus preschte mit guter Laune über den Atlantik, und wir gleich mit.
Auf Flauten konnten wir lange warten – der Wind war durchgehend motiviert. Dafür hatte er uns etwas anderes im Angebot: Squalls. Diese wandernden Regen- und Windbiester tauchten immer wieder am Horizont auf wie schlecht gelaunte Wolken mit Überholambitionen. Wir wichen ihnen aus, manchmal elegant, manchmal etwas weniger elegant, aber immer erfolgreich. Wenn doch einer vorbeizog, gab es eine Gratisdusche und eine spontane Windkur obendrauf.
Doch das wahre Highlight wartete im Wasser: Minkwale! Diese eleganten Meeresriesen sind neugierig, verspielt und überraschend schnell. Beim ersten Besuch kamen sie so nah ans Boot, dass wir uns fragten, ob sie unsere Rumpffarbe begutachten wollten. Ein bisschen unheimlich war es schon – immerhin ist ein Minkwal nicht gerade ein Goldfisch. Aber nach kurzer Zeit wurde klar: Sie wollten nur eins – Wellen surfen! So wie Delphine schossen sie durch die Bugwelle, tauchten ab, kamen wieder hoch und schienen dabei regelrecht zu grinsen. Ungefähr jeden zweiten Tag bekamen wir Besuch, und jedes Mal standen wir wie Kinder an der Reling und staunten.
Mit jedem Tag wurden die Temperaturen tropischer. T-Shirts wurden zur Standarduniform, und das Deck fühlte sich langsam nach Sommer an. Nach knapp 15 Tagen und 1973.5 Seemeilen erreichten wir am 4. Juli Recife in Brasilien – entspannt, glücklich und voller Vorfreude auf Land unter den Füssen.
Nach den Formalitäten gab es genau das, was wir verdient hatten: einen eiskalten Caipirinha zum Anstossen auf eine gelungene Atlantiküberquerung. Auf dem Rückweg entdeckten wir eine kleine Eisdiele – und eine feine Glace geht bekanntlich immer, auch wenn man schon eine Hand voller Papiere und eine Mütze voller Sonne hat.
Die neue moderne Marina von Recife überzeugte uns sofort, also legten wir eine kleine Werftpause ein. Rost entfernen, aufräumen, Gasflaschen füllen, Wäsche waschen, alte Bekannte treffen, neue Segler kennenlernen – wir waren plötzlich erstaunlich fleissig. Und das Beste: Thomas fand jemanden, der seine Gitarre reparieren konnte. Die nächste abendliche Bordmusik war also gesichert.
Recife war für uns der perfekte Mix aus Tropenfeeling, guten Leuten und einer Marina, in der man das Schiff – und sich selbst – wieder auf Vordermann bringen konnte. Wir genossen jeden Tag, sammelten neue Energie und freuten uns schon darauf, bald wieder hinaus aufs Meer zu ziehen.
















































































































































































































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